
Bewegungs-Mangel, Rauchen, Bluthochdruck, Diabetes – die Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind allgemein bekannt. Sollten sie auch sein, denn Herzinfarkt, Schlaganfall, Herzinsuffizienz und Co. zählen zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland. Was viele nicht wissen: Auch die Mundgesundheit spielt eine wichtige Rolle.
Eine gute Mundgesundheit ist damit mehr als nur ein strahlendes Lächeln. Gesunde Zähne und ein gesunder Mundraum beeinflussen unsere Lebensqualität und körperliche Gesundheit. Doch wo liegt die Verbindung zwischen gesunden Zähnen und einem gesunden Herzen?
(Herz-)Gesundheit beginnt im Mundraum
Im vergangenen Jahrzehnt belegten verschiedenste Studien den Zusammenhang zwischen Mundhygiene und Herzgesundheit. Insbesondere Parodontalerkrankungen können das Risiko an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung erhöhen. Aus diesem Grund haben der Bundesverband der Niedergelassenen Kardiologen (BNK) und die Bundeszahnärztekammer (BZÄK) eine Kooperation gestartet. Diese soll über die Zusammenhänge zwischen Parodontitis und Herz-Kreislauf-Erkrankungen aufklären.
So spricht der BNK-Bundesvorsitzende Dr. Norbert Smetak beispielsweise von „signifikante(n) Belege(n) für den Zusammenhang von Parodontitis und verschiedenen Herz-Kreislauf-Erkrankungen“. Dies mache das frühzeitige Erkennen und Behandeln solcher Parodontalerkrankungen zu einer wichtigen Präventionsmaßnahme, „um Allgemeinerkrankungen entgegenzuwirken, die im schlimmsten Falle zum Tod führen können“.
Was sind Zahnfleisch- und Parodontalerkrankungen?
Zahnfleisch- und Parodontalerkrankungen sind entzündliche Erkrankungen des Zahnfleisches (Gingiva) und des Zahnhalteapparates (Parodont). Zu den häufigsten Formen gehören Gingivitis und Parodontitis/Parodontose. Laut Angaben der Bundeszahnärztekammer leiden alleine in Deutschland circa 10 Millionen Menschen unter Parodontitis – einer chronischen Entzündung des Zahnhalteapparates, die nicht nur zu Zahnverlust führen kann.
Rund 50 Krankheiten – unter anderem Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Erektionsstörungen – sollen in Zusammenhang mit Mundraum-Erkrankungen stehen.
Eine Parodontitis entsteht nicht selten aus einer nicht behandelten Zahnfleischentzündung (Gingivitis). Das Problem: Gingivitis entwickelt sich wie Parodontose oft schleichend und bleibt daher unbemerkt. Daher gehen Schätzungen davon aus, dass 80 Prozent aller Erwachsenen unter einer Gingivitis leiden, ohne es zu wissen.
Sie wollen mehr über Parodontalerkrankungen und Ihre Ursache erfahren? Hier haben wir Ihnen die wichtigsten Infos verständlich zusammengefasst.
Wie kommt es zu einer Schädigung des Herzens?
Obwohl der Medizin die Verbindung von Mund- und Herzgesundheit bekannt ist, sind die genauen Abläufe und Mechanismen noch Forschungsgegenstand. Derzeit gehen Mediziner:innen und Forschende von verschiedenen Ursachen aus:
Chronische Erkrankungen wie Parodontitis könnten laut der Medizin Entzündungsreaktionen in anderen Körperregionen auslösen. Auf diese Weise könnte es zu Gefäßschädigungen (auch der Herzgefäße) kommen. Eine weitere Möglichkeit ist, dass die schädlichen Bakterien über den Mundraum in den Blutkreislauf und von dort in die Herzkranzgefäße, die Herzklappen und den Herzmuskel gelangen.
Fest steht: In der Mundhöhle leben zahlreiche Bakterien – gut- wie bösartige. Durch eine schlechte Mundhygiene verschlechtert sich die Mundflora und die Zahl der schlechten Bakterien steigt. Durch die Ablagerung von Plaque kann es schließlich zu verschiedenen Zahn- und Parodontalerkrankungen kommen, die das Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung erhöhen.
Parodontose erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen – das sagen die Studien
Die wohl bekannteste Studie zur Verbindung von Mundgesundheit und Herzgesundheit ist die schwedische PAROKRANK-Studie. Diese zeigte unter anderem auf, dass Personen, die zu Studienbeginn an Parodontitis litten, ein um 49 Prozent höheres Risiko hatten, in den folgenden sechs Jahren einen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt zu erleiden (im Vergleich zu Menschen mit guter Mundgesundheit).
Eine weitere Studie zeigte auf, dass Zahnfleischerkrankungen mit einem höherem Risiko für Bluthochdruck (Hypertonie) verbunden sein könnten. Auch eine mögliche Verbindung von Parodontose-bedingten Gewebeveränderungen im Herzen (Fibrose) und dem Entstehen von Vorhofflimmern konnte in Studien festgestellt werden.
Zusammengefasst: eine schlechte Mundgesundheit erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Herzinfarkt, Herzinsuffizienz u.a.), eine gute wiederum senkt das Risiko.

